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Zeitschrift:
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Kodu & Aed, Ausgabe Juli 2001
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Herausgeber:
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Forma Media AS, Tallinn
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Artikel:
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“Maakodu moisa- ja talustiilis” (“Landhaus im Guts- und Bauern-Stil”)
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Text:
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Leele Välja
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Fotos:
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Kaido Haagen
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(übersetzt aus dem Estnischen von Ute Wohlrab)
Ein Landhaus als Kunstwerk - ein richtiger Bauernhof, voller ausgewählter Antiquitäten, die mit Laura-Ashley-Design und größter Sorgfalt exponiert sind.
Dieses Bild bot sich der Kunstgeschichtlerin Leele Välja, als sie das Landhaus besuchte, das vor fünf Jahren noch ihrer Familie gehört hatte.
VORGESCHICHTE
Vor sieben Jahren, als wir zufällig in Zeitschriften blätterten, kam meiner nach Privatsphäre suchenden Boheme-Familie der Gedanke, ein Landhaus zu kaufen. Ohne
auch nur die geringste Ahnung von Immobilienwerten war es eine echte Überraschung für uns, daß die Höfe in Südestland genauso viel kosteten wie ein 10 Jahre altes Auto.
Gedacht-getan – einige Monaten intensive Beschäftigung und das interessante Haus war gefunden.
Die Gebäude des Gehöfts waren traditionell um den Hof gruppiert und was am wichtigsten war: es waren keinerlei Umbauten in der Sowjetzeit vorgenommen worden.
Innen wie außen nur unbehandelte Holzbalken-Wände und am ganzen Hof war kein Tropfen Farbe verwendet worden. Ein zusätzliches Plus war die bestens durchdachte
Raum-Anordnung des Wohnhauses, wo drei Zimmer und eine Küche symmetrisch um den Schornstein gruppiert waren, sowie der zwischen Eingangstür und Küche vom Platz her gerade ausreichende Eingangsraum.
Obwohl wir durch ganz Estland fahren mußten, ermöglichte unser Leben – meine Herausgeberschaft einer vier Mal im Jahr erscheinenden Architektur-Zeitschrift, der
Beruf meines Mannes als Dirigent und der Kindergartenbesuch des Kindes – uns immer wieder 4-5 Tage andauernde Wochenenden zu finden die Ruhe auf dem Lande zu
genießen. Genießen bedeutete für uns auch, uns gründlich mit der Umgebung bekanntzumachen und unsere eigenen Bedürfnisse und Wünsche herauszufinden. Nach
einigen Jahren war klar, was unsere Familie sich wirklich unter einem Landhaus vorstellte. Und als sich die Möglichkeit bot, das mitten im Wald gelegene Gehöft eines
Verwandten zurückzukaufen, dessen Lage zu unserem schneller gewordenen Lebensrhythmus um einiges besser paßte, mußten wir beginnen, unseren bisherigen Hof zu verkaufen.
VOM SOMMERHAUS ZUM WOHNHAUS
Obwohl die Zeitschriften voll waren mit zum Verkauf stehenden Höfen, fand unser Häuschen bei der ersten Besichtigung einen Käufer. Die Deutsche Ute Wohlrab, früher
im juristischen Bereich tätig, leidenschaftliche Pferde-Züchterin und Antiquitäten-Sammlerin hatte schon vor einigen Jahren das reglementierte
Beamtenleben in Deutschland hinter sich gelassen und ihr Leben nach Estland verlegt. Gerade hier sah sie die Möglichkeit, ihren Traum zu erfüllen, ein Gestüt zu gründen. Ihr
bisheriges Zuhause am Fuße des Berges Munamägi war dank des Motorschlitten-Verleihs und ganzer Horden von Wintertouristen unmöglich geworden.
Dafür begann sie hier einen neuen Zeitabschnitt. Nun befindet sich auf dem Hof das weltweit letzte Gestüt der reinrassigen Tori-Pferde.
Nun, nach vier Jahren, wirkt die ganze Wirtschaft schon eingelebt und heimelig. Ohne Zweifel war der archaische Zustand beim Wechsel vom zeitweiligen Wohnen zum
Lebensmittelpunkt nicht zu erhalten gewesen – die Außenwände wurden holzverkleidet, um Wärme zu speichern, als auch um das Gebäude vor Wettereinflüssen zu schützen.
Aber ungeachtet der ganzen aufdringlichen Werbungs-Kampagnen, oder ausgerechnet deswegen, wurde die Seele des Hauses nicht unter den neuen, modernen Materialien begraben. Diese wurden einfach nicht verwendet.
KOMFORT ZWISCHEN ANTIQUITÄTEN
Beim Neubau des Schornsteins gelang es Ute, alte Ziegelsteine aufzuspüren, die bei der
Renovierungs-Arbeit am Barclay-de-Tolly-Mausoleum ausgetauscht wurden. Ute zeigt die über 200 Jahre alten Ziegel mit Stolz. Unter der Fassaden-Verkleidung des Hauses wurden keine der bekannten Dämmplatten
verwendet, sondern dicke Pappkartons. Eine lang vergessene Vorgehensweise, die aber heute noch sinnvoll ist. Auch die Innenräume wurden verändert. Die von Zeit und Rauch gedunkelten
Balkenwände und Zimmerdecken können für das tägliche Leben zu düster und depressiv wirken und so entschied Ute, wenn auch schweren Herzens, die Wände zweier Zimmer weiß zu streichen. Weiß
wurden auch die Decken-Abschnitte zwischen den Balken, denn der früher von oben auf die Deckenbretter zur Isolation eingebrachte Sand hielt nicht warm. Zudem war der durchrieselnde Sand im
Bett und auf dem Tisch wenig angenehm. Die einfachste Möglichkeit, die Zwischenräume abzudichten, war Gipsplatten zwischen die Balken aufzuschrauben – frei von Sand und helle Räume.
Ganz besonders bemerkenswert ist die zwischen heutigem Komfort und dem geschichtlichen Interieur gelungene Verbindung . So paßt sich sowohl das Spülbecken
in der Küche als auch die Badezimmereinrichtung übergangslos dem angenehmen Stil an.
GUTSHOFSTIL TRIFFT BAUERNHAUS-ROMANTIK
Außer der Liebe zu Antikem hat Ute noch eine weitere Schwäche: den Laura Ashley
Einrichtungs-Stil. Obwohl dieser seinen Ursprung in der aristokratischen Lebensart Englands hat, ist es hier geglückt, diesen wunderbar mit dem estnischen Bauernstil zu
verbinden. Tatsächlich finden sich hier keine luxuriösen Details, aber die Vorhänge und Tapetenborten hat Ute ausschließlich unter dem Markennamen Laura Ashley ausgewählt.
Am meisten Aufmerksamkeit verdient aber in Utes Zuhause das harmonische und zwanglose Zusammenleben inmitten ihrer Antiquitäten und alten Sammlungen. Zwischen
den alten Möbeln finden sich unzählige kleine Dinge, die heutzutage einfach als Schmuck gebraucht werden. Wenn auch alle Regale und Schrankflächen
ausgeschmückt sind mit kleinen, antiken Gegenständen, so wirkt es doch nicht überladen oder der dem deutschen Lebensstil oft eigenen Penetranz. Das Ergebnis ist
vielmehr ganzheitlich und gibt zu denken, ob man so nicht tatsächlich früher gelebt habe.
Das ganze Zuhause von Ute ist ein kleines Gesamtkunstwerk und tatsächlich wohnt diesem Kunstwerk auch eigenes Leben inne. Wie viele von uns haben schon darüber
nachgegrübelt, daß einmal die Zeit kommt, wenn wir leben wollen, wie wir wirklich wollen und das tun, was das Herz uns eingibt. Wir hoffen, daß diese Zeit irgendwann
einmal kommt, wenn wir nicht mehr das machen, was die Gesellschaft, der Nachbar, die Verwandten und was weiß ich wer von uns erwarten und uns vorschreiben, wie wir zu
leben haben. Und doch leben die meisten von uns so, wie die eingefahrenen Gleise der Gewohnheit und sogar des Lebensraumes uns es vorgeben.
Und dann kommt da ein deutsches Mädchen, das daran überhaupt nicht denkt. Kommt her und lebt einfach so, wie sie es für nötig hält und wählt sich die Arbeit, die sie am
allermeisten liebt. Sollen doch die Nachbarn und Verwandten sagen, was sie wollen.
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