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Schönes schöner!
International Womens Club Tallinn - hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich eine kleine, interessante Gesellschaft vornehmlich aus Diplomaten-Frauen. Den Fragen nach dem Sinn eines solchen Clubs, nach
dessen Aufgabe und Arbeit, aber auch nach Eindrücken von Estland wird in einer kurzen Reportage von Ute Wohlrab, Kamila Krejza und Nadja Liind Rechnung getragen.
26.01.2001, 10.00 Uhr auf TV 3
Menschen 26.01.02
Wir lernen den International Womens Club Tallinn kennen. Sprechen von Frauen und mit Frauen, die nicht in Estland geboren wurden und keine Estinnen sind, aber auf die
eine oder andere Weise nach Estland gekommen, um hier zu leben. Wie sehen sie die hiesige Gesellschaft? Kamila Krejza, die bereits im Alter von 7 Jahren mit ihren Eltern in
die Schweiz zog, fand nun ihr neues Zuhause in Estland. Im Sommer des Jahres 1999 zog sie mit ihrem Mann hierher, der Zweiter Sekretär der Europäischen Kommission ist
und die Ressorts Politik und Wirtschaft leitet.#
Kamila Krejza: "In Wirklichkeit weiß ich nie, wo mein Zuhause ist. Ich bin in Tschechien geboten,
aufgewachsen in der Schweiz. Mein Zuhause ist dort, wo ich gerade bin. Meine Eltern leben in der Schweiz und die Eltern meines Mannes in Holland. Wir sehen sie nicht oft,
nur zwei, drei Mal im Jahr."
Als erste Vorsitzende des International Womens Club versucht Kamila in ihrer Freizeit zusammen mit den anderen Mitglieden Kontakte zu anderen Frauenverbänden
herzustellen, Neuankömmlingen das Einleben zu erleichtern, veranstaltet verschiedenartige Unterhaltungsabende und fährt einmal im Jahr eine
Wohlfahrtsveranstaltung durch. Im letzten Jahr sammelte man so für die Straßenkinder Tartus 100.000 Kronen.
Kamila Krejza: "Ich erinnere mich, als ich zum ersten Mal hier ankam, ich kannte keinen und ich hatte
hier keine Freunde. Das war eine sehr schwierige Zeit. Dann erfuhr ich von diesem Club und ging einfach hin. Nun ist der Club ein Teil meines Lebens geworden. Alle meine
Freunde sind hier, ich kann erfahren, wie ich hier Probleme lösen kann, wohin man ausgeht und welche Möglichkeiten sich bieten."
Die Deutsche Ute Wohlrab lebt nun schon 7 Jahre in Estland. Vor 12 Jahren kam sie als westdeutsches Schulmädchen im Rahmen eines Jugendaustausches erstmalig nach
Estland. In ihr Herz fiel ein Sympathie-Samenkorn, das begann, Wurzeln zu schlagen. Vor 7 Jahren krempelte die im juristischen Bereich tätig gewesene Deutsche ihr Leben
um, verließ ihre Familie und Freunde und zog nach Estland, in die Nähe von Otepää in ein Landhaus. Nun fährt sie im Bundesland Valgamaa den Hof Hargo-Talu, wo sie
reinrassige Tori-Pferde züchtet. Die im Wohlstand aufgewachsene Ute ist dort glücklich mit ihren 5 Hunden, 3 Katzen, 4 Ziegen, vielen Hühnern und ihren 13 pummeligen
Pferden. Außerdem schafft sie es, ihrer Rolle als Diplomatenfrau ihres Lebensgefährten gerecht zu werden.
Ute Wohlrab: "Ich fahre ständig zwischen Südestland und Tallinn hin und her. Wenn in Tallinn Empfänge gegeben werden oder Ausstellungseröffnungen stattfinden, komme ich
hierher. Und mein hervorragender Stallhelfer kümmert sich um die Pferde. Und wenn mit den Pferden etwas sein sollte, springe ich ins Auto und fahre nach Hause. Ich bin
immer in Bewegung und das gefällt mir auch so.
Ich sehe das Leben in Estland aus der Nähe, weil ich selbst hier auf dem Lande lebe und fließend estnisch spreche. Ich kenne alle Probleme und lebe auch all diese
Probleme aktiv mit. Auf der anderen Seite bin ich aber auch Ausländerin und habe doch eine andere Sicht der Dinge und würde mir für Estland vor allem mehr Lebensfreude
wünschen. Davon ist vor allem auf dem Lande viel zu wenig zu spüren."
Ute sieht keinen Grund, nach Deutschland zurückzukehren.
"Ich bin hier zu Hause. Vor sieben Jahren schon hat es mir so wahnsinnig gefallen, daß ich mir vorstellen kann, noch weitere sieben Jahre hier zu bleiben!"
Die Familie von Ute und auch einige Freunde aus Deutschland standen dem Umzug erst kritisch gegenüber, aber sie sahen selbst, wie Ute zurechtkommt und das gefällt ihnen
auch. Sogar Utes 82jährige Großmutter war schon mehrfach zu Besuch und begeistert von diesem Leben.
Ute nimmt auch an den Aktivitäten des International Womens Club teil, was ihr die Möglichkeit bietet, mit in Estland lebenden anderen ausländischen Frauen Kontakte zu
knüpfen, die kein estnisch können und ihnen bei Verständigungsproblemen zu helfen. Auf der anderen Seite findet sie, daß es ihr gut tut, ihr Englisch zu verbessern und ihre
Weltanschauung zu erweitern.
Die Dänin Anne Praestegaard lebt hier erst seit 3 Monaten, aber findet, daß Estland und Dänemark recht ähnliche Staaten sind, ob man vom Wetter oder den Menschen
ausgeht. Selbst wenn sie etwas vermißt, sagt sie, stellt sie oft fest, daß sie ohne auskommen kann oder sie hat einfach falsch gesucht.
Anne Praestegaard: "Natürlich ist es eine Herausforderung, in einem anderen Staat zu leben, sich dort
zurechtzufinden. Eine neue Sprache, natürlich ist es erst einmal schwierig, ich bin noch nicht lange hier, nur wenige Monate."
Für Anne ist der International Womens Club eine große Hilfe.
"Es ist gut, sich mit Frauen zu treffen, die sich in der gleichen Situation zurechtfinden wie ich. Außerdem ist der Club humanitär orientiert und das gefällt mir. Ich bin
Hausfrau und so kann ich mit den Clubaktivitäten meine gesellschaftlichen Pflichten erfüllen."
Eine andere Situation zeigt sich bei der Australierin Nadia Liind. Seit 5 Jahren arbeitet sie in der Amerikanischen Handelskammer, in der Freizeit aber versucht sie, sich mit
anderen Schicksalsgenossinnen zu treffen. Sie war schon seit zwei Jahren nicht mehr in Australien.
Nadia Liind: "Ich finde, die estnischen Frauen sind selbständiger und können hervorragend für ihre
Bedürfnisse einstehen. Die Männer hier lassen den Frauen auch alle Freiheiten. Ich habe hier Frauen in sehr hohen Positionen kennengelernt. Das hat mich sehr
beeindruckt: ich bewundere die estnischen Frauen."
Nadia findet das Leben in Estland manchmal schwierig. Sie hat versucht, estnisch zu lernen, was ihr schwerfällt, vor allem, da sie in einem internationalen Umfeld arbeitet
und ihre Freunde englischsprechend sind. Trotzdem setzt sie ihre Sprachstudien fort.
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