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Zeitschrift:

Der Holznagel, Ausgabe 4/2000 (Juli-August)

Herausgeber:

Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V.

Artikel:

“Die Tori-Pferde sterben aus”

Text:

Ute Wohlrab

 

 


 

Weniger als 100 reine Tori-Pferde gibt es auf der Welt, und das, obwohl diese liebenswerten, etwas schwereren Warmblüter praktisch überall einsetzbar sind: Ob als Freizeitpferd für lange Ausritte oder als ruhiges Anfängerpferd. Dabei waren sie eigentlich für die Kavallerie und als Kutschpferde(wofür sie sich auch heute noch hervorragend eignen) gezüchtet worden. Ab den 20-er Jahren verlagerte sich ihre Nutzung mehr zum Arbeitspferd. Immer mehr stieg jedoch in den letzten Jahrenauch die Nachfrage nach leichteren Pferden für den Sport, so dass nun Hannoveraner- und Trakehnerhengste in die Tori-Zucht eingebracht wurden.

Leider fingen die Züchter in den letzten Jahren an, mit Hengsten zu züchten, deren Qualität nicht getestet worden war. Ziel dabei war und ist es, ein extrem leichtes Sportpferd zu erhalten, in der Hoffnung damit das große Geld zu machen. Der ursprüngliche Typ scheint dabei nicht mehr rentabel genug zu sein, weshalb viele Bauern ihre Pferde an Händler verkaufen, um wenigstens etwas Geld zu bekommen. Diese Tiere müssen dann oft einen langen und schrecklichen Transport nach Italien zum Schlachter durchmachen.
Ich habe es mir als letzte zur Aufgabe gemacht, die Tori-Pferde vor dem Aussterben zu bewahren. Auf meinem alten Bauernhof in Estland halte ich derzeit 8 reinrassige Toris. Alle Pferde werden im einzigen Offenstall Estlands mit riesigen Koppeln (bald 20 ha) gehalten, darunter auch einige Fohlen. Teilweise wurden sie vor dem Schlacht-Transport gerettet und waren kaum an Menschen gewöhnt.
Ich versorgte die Pferde alleine, dabei wäre Hilfe jeder Art dringend nötig: Die Zustände in Estland sind schlecht, von artgerechter Haltung und pferdefreundlichem Umgang kann keine Rede sein. Nur als gutes Beispiel kann ich aber nicht überleben. Von der Ahnungslosigkeit der Pferdebesitzer einmal abgesehen, habe ich auch mit anderen Problemen zu kämpfen: Bei der Körung der Zweijährigen sollte mein junger und hoffnungsvoller Hengst Hadrian mit leichteren Halbblütern, Trakehner-Mischlingen und Hannoveraner-Typen verglichen werden. Nachdem die Zuchtkomission sich ihn jedoch beim Freispringen angeschaut hatte, gab sie ihr Okay für eine Nachprüfung als Dreijähriger. Die neue Körungsordnung gibt dem alten Typ jedoch kaum Chancen, denn sie ist nur auf Sportpferde ausgerichtet, was reinrassige Toris nun einmal nicht sind.
Ein schwerer Schicksalsschlag hingegen war der Verlust des letzten reinrassigen Deckhengstes Heigo, der nach langer Krankheit Anfang Januar starb. Doch er wird weiterleben in seinen Fohlen, zum Beispiel in der eigensinnigenHela, die November letzten Jahres auf die Welt kam und putzmunter ist. Die beiden anderen heißen Heliade und Henriette. Die Mutterstuten sind ebenfalls reinrassig. Der junge Hengst Hadrian und mein großer Wallach Lukas runden die Zahl der Pferde ab.

 

Wer Kontakt aufnehmen möchte, sei es, um ihr vor Ort zu helfen, oder sei es, um mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, schreibt an unten genannte Adresse. Auch kann man bei mir naturnahe Ferien verbringen. Seit neuestem biete ich auch Patenschaften (eine Vollpatenschaft kostet 50 DM/Monat) für meine Pferde an, da sich in Estland die Heu- und Haferpreise verdreifacht haben. Deshalb sind auch Spenden gerne gesehen, um das Überleben der Tiere sichern zu können.

Es steht wirklich inzwischen in den Sternen, wie lange ich ganz alleine diese Rasse vor dem Aussterben bewahren kann und ich benötige dringend jede Art von Hilfe.

 

Adresse:

    Ute Wohlrab

    Hargo Talu

    68226 Kuigatsi

    Estland

    0037 / 256 / 46 43 49

    www.hargo-talu.de

    ute@hargo-talu.de