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Ein Besuch
Ein Besuch - Gerald Wolf

Der Hof Hargo Talu liegt am Ende der Straße und damit gleichsam am Ende der Welt. Dahinter liegen nur noch große Wiesen, auf denen die Kraniche tanzen und die Störche nach Fröschen suchen. Der Horizont besteht ringsum aus Wäldern, und kaum ein Zivilisationsgeräusch dringt in die Stille.

Hier ist das Refugium der Tori-Pferde - einer aussterbenden Rasse, die trotz - oder wegen - ihrer Vielseitigkeit nicht mehr in die Zeit zu passen scheint. Im 19. Jahrhundert als Kavallerie- und Kutschpferd eingeführt, entspricht das Tori-Pferd nicht dem heutigen Trend zu kompromißloser Sportlichkeit. Es wurde in den letzten Jahren so lange mit anderen, leichteren Rassen gekreuzt, daß die Bestände des ursprünglichen Typs bis auf einen winzigen Rest zusammengeschrumpft sind.

 

Hier auf dem Hof Hargo Talu kann der Besucher noch dreizehn dieser Tori-Pferde bewundern, die liebenswürdig und zutraulich sind, aber auch eigensinnig und temperamentvoll. Unter der Obhut von Züchterin Ute Wohlrab, die sich den Erhalt der Toris zur Aufgabe gemacht hat, führen sie ein sorgenfreies Leben in luftigen Offenställen und auf den weiten Koppeln, wo sie sich frei bewegen können.

Die Pferde teilen sich den Hof mit Ziegen, Hunden, Katzen und einer farbenfrohen Hühnerschar und sorgen dafür, daß die Tori-Züchterin keine ruhige Minute, aber auch keine Langeweile kennt.

Das über 70 Jahre alte hölzerne Wohnhaus hat sie behutsam und mit Liebe zum Detail renoviert und mit einfachen Antiquitäten eingerichtet. Es ist trotz der offensichtlichen Bescheidenheit ein wahres Schmuckstück geworden, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Trotzdem fehlt von der Waschmaschine über den Computer mit Internetzugang bis zum Bad mit Dusche nichts, was man zum Leben braucht. Hier werden gerne Gäste aufgenommen, die ausspannen und die Ruhe genießen oder aber mitarbeiten wollen. Denn zu tun gibt es immer etwas auf dem Hof, der den Tori-Pferden zur Zuflucht geworden ist.