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Sommerbericht von Maria (21.07.02-25.07.02)
Im vergangenen Sommer machte ich mich wieder einmal nach Estland auf, um Ute Wohlrab und ihre Tori-Pferde auf "Hargo Talu" zu besuchen. Dieses Mal wurde ich von drei Freunden, Fine, Fritz und
Franka, begleitet, welche, wie auch ich, voller Vorfreude und Erwartungen waren - für sie sollte es die erste Reise nach Estland sein.
Doch bevor wir für vier erlebnisreiche Tage bei Ute zum Helfen und zeitgleichen Ausspannen einkehrten, was für mich selbst bereits der dritte Besuch auf "Hargo Talu" werden sollte, erkundeten
wir, mit einem von estnischen Freunden geliehenen alten Kadett, den Rest dieses faszinierenden Landes.
Frohen Mutes kamen wir am 21.07.2002 dann endlich, nach vielen Umwegen und Abenteuern, einem verregneten Morgen, klitschnassen Zelten im Gepäck und mit großem Hunger auf "Hargo Talu" an. Mit
lautem Hupen machten wir auf uns aufmerksam und Ute kam sogleich aus dem Haus gerannt und begrüßte uns mit den Worten "Ute musste leider für ein paar Tage weg, aber ich soll Euch empfangen und rein
bitten...." - ich kannte Ute ja, aber die drei Anderen erschraken natürlich über solch ein Willkommen. Erst als Ute und ich unser Lachen nicht mehr zurückhalten konnten begriffen sie. Das war ein typischer
Ute-Anfang und die Tage auf "Hargo Talu" sollten also spannend werden.
Freundlich aufgenommen aßen wir zusammen riesige Portionen Nudeln, erzählten stundenlang und fütterten dann
gegen 0:30 Uhr noch die Pferde. Da diese aber ohnehin tagsüber in den mückengeschützten und schattigen Unterständen auf die Nachtkühle warteten, machte ihnen unser später Besuch nichts aus. Vom Tag geschafft und glücklich fielen wir danach im Gästehäuschen auf unsere Betten und schliefen auf für uns himmelbettähnlichen Matratzen.
Die nächsten Tage sollten für uns alle viel Neues, vor allem aber auch viel Arbeit bringen und so begannen wir am nächsten Morgen sofort, uns mit dem Leben auf dem Hof vertraut zu machen. Ich freute
mich besonders darauf, die gutmütigen Toris wieder zu sehen und musste erkennen, dass Utes Pferdebande um einige Mitglieder gewachsen war. Vor allem für Franka bedeutete das allerdings ein erstes Kennen lernen von
Pferden und ich war gespannt, wie sie zurechtkommen würde. Besonders niedlich waren natürlich die beiden Fohlen Lara und Leonidas, welche sich, obwohl wir Fremde für sie waren, sofort unseren Streicheleinheiten
hingaben, während die Mutterstuten Hulda und Helbe entspannt zusahen.
Nach einer ersten Lagebesprechung mit Ute wurden Aufgaben verteilt: Franka und Fritz sollten die Zäune vom zu hoch gewachsenen Gras befreien und das hieß mähen, mähen und nochmals mähen!!! So zogen sie
mit einer riesigen Motorsense bewaffnet los und taten dies zweieinhalb Tage lang. Auch kontrollierten und reparierten sie dabei die Elektrozäune der riesigen Koppeln. Und obwohl sie so den Bremsen schutzlos
ausgesetzt waren und von diesen gefoltert wurden machte es ihnen, wie sie mir versicherten, sehr viel Spaß. Fine und ich waren derweil mit dem Füttern und Ausmisten der Pferde beschäftigt, wobei sich Fines
anfängliche Unsicherheiten in Hinsicht auf die Arbeit mit den großen Pferden bald lösten und wir viel Spaß hatten.
Des Weiteren hatte sich Ute für die Zeit mit uns eine besondere Tätigkeit ausgesucht, die schon länger anstand, aber für sie alleine schwer zu meistern war. Sie wollte mit uns um den neuen Unterstand
einen Zaun bauen, damit die beiden Mutterstuten mit ihren Fohlen im Herbst dorthin umziehen könnten. Wir planten und diskutierten also, wie groß das Paddock werden sollte und nach einem langen "uteüblichen
Kraftfrühstück" packten wir es
dann am dritten Tag an. Wir schleppten Holzpfähle heran, nagelten Isolatoren fest, mähten mit der Motorsense den Verlauf des Zaunes ab und Fritz grub Löcher und rammte die Pfähle in die Erde. Anschließend zogen wir zusammen noch den Stro mzaun und schon waren wir fertig und Ute froh auch diese Arbeit geschafft zu haben.
Neben den täglichen Aufgaben munterte Ute uns immer wieder auf, sei es mit zwei Litern leckerem Eis für einen von mir wieder gefundenen (von einem früheren Arbeiter verlegten) Vorschlaghammer, mit dem
Versuch des Beibringens vom Melken der Ziegen, was immer wieder Spaß macht, aber zugegeben nicht ganz einfach ist, mit Witzen und lustigen Geschichten aus ihrem Alltag mit den Esten.
Vor allem aber die Reitstunden auf Hanni und Lukas waren für uns ein wunderschönes und unvergessliches Erlebnis, denn diese Pferde haben himmlische Gänge und man kann auf ihnen sehr bequem sitzen. So
traute sich auch Franka auf Hanni und war so begeistert, daß sie sich sogar auf Hannis breiten Rücken legte und im langsamen Schritt herumtragen ließ. Am nächsten Tag trabte sie bereits mit Lukas so ausgelassen
herum, dass ich wieder einmal erkennen konnte, wie vertrauensselig und menschenbezogen diese Pferde sind.
Nicht so schön hingegen waren Haimas Husten und ihre ausklingende Allergie und Jettes, noch immer eiternde, Koppelverletzung am Bein. Bei unserer Abreise ging es der Jungstute noch immer nicht
merklich besser, doch ich habe von Ute erfahren, dass Henriette, dank der guten Pflege und Fürsorge, alles ohne bleibende Schäden überstanden hat. Glück gehabt! Die arme alte Stute Haima atmete sehr schwer hatte
manchmal regelrechte Hustenkrämpfe. Sie machte uns große Sorgen, besonders auch nachdem Ute uns die Vorgeschichte dieses Pferdes erzählt hatte, und so taten wir was wir konnten: wir cremten jeden Tag ihre von der
Allergie verschorften Beine ein, streichelten sie, wenn sie nicht fressen wollte und kümmerten uns um unser Sorgenkind.
Am letzten Morgen unserer Abreise begann der bei Haima stehende Hengst Leigar unruhig zu werden und Haima - zu allem Überfluss - zu belästigen, denn er hatte in einem der Nachbarpaddocks eine rossige
Stute ausgemacht. Da Ute nun herausfinden wollte, welche dies war, bedeutete für uns alle vollen Arbeitseinsatz und besonders für mich Herzklopfen. Denn da ich von uns Vieren am meisten Erfahrung mit Pferden und
auch Utes Vertrauen hatte holte ich mit ihr den Hengst aus seinem Paddock, um ihn den Stuten vorzuführen. Wir gingen mit ihm an den Zäunen entlang, bei Hulda erschreckte er uns mit einem Hengstschrei und wir
erkannten, dass sie die Stute seines Herzens war. Diese wiederum wieherte quietschend und die Leitstute Helbe versperrte und den Weg. Nach einem gerissenen Stromzaun und einer zu Boden gefallenen Brille jedoch
schafften wir es, ihn zu Hulda, Helbe und den beiden Fohlen Lara und Leo zu bringen. Nun hieß es abwarten und zuschauen.
Nach einigem Zieren und Quietschen dann durften wir miterleben wie ein Fohlen gezeugt wird. Es war für uns alle, bis auf die routinierte Ute, wahrhaft aufregend als sich der Hengst auf die Stute wälzte
und diese zu decken versuchte. Doch an Stelle von Beifall erntete er von uns eher Spott und Gelächter, weil er sich sehr schwer tat und ständig vor Helbes Eifersuchtsangriffen floh. Als wir diese und die unwissend
und fragend dreinschauenden Fohlen ein wenig beruhigt hatten, konnte Leigar weiter seines Amtes walten und nun hofft Ute auf Nachwuchs in diesem Frühjahr.
Das Decken war für uns der absolute Höhepunkt unseres Aufenthalts auf "Hargo Talu" und besonders ich freute mich dabei sein zu können. Leigar blieb übrigens anschließend bei seiner neuen
Familie - und wie ich weiß, bis heute, weil diese Gruppe einfach hervorragend zusammenpasste. Zu meiner großen Freude zogen sie im Herbst in den neuen Unterstand mit dem von uns gebauten Zaun um.
Abschließend kann ich also sagen, dass es mir wieder sehr gut gefallen hat, so auch Fine, Fritz und Franka, und dass ich Utes tapfere und aufopferungsvolle Arbeit für diese vom Aussterben bedrohte
Pferderasse voll unterstütze und schon bald wiederkommen werde, um ihr bei ihrem Kampf weiterhin tatkräftig zur Seite zu stehen und wieder viel Spaß mit ihr auf "Hargo Talu" zu haben.
(Nicht alle Formulierungen sind von mir. Einige Stammen von Franka, Fine und Fritz aus unserem gemeinsamen Urlaubstagebuch.)
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